Feedback
CPPB Curricula, Providers, Trainers and Courses

CURRICULA

Einleitung

Das Teilcurriculum über die Gestaltung von Friedensförderungs- und Präventionsprogrammen (Designing Peacebuilding and Prevention Programmes ; DPP) ist möglicherweise bereits eingebettet in ein umfassendes Vorbereitungscurriculum für Personen, die in Programmen oder an Projekten im Bereich der Friedensstiftung mitarbeiten. Es ist ein Kurs für den Erwerb der Kernkompetenzen. Dieser Kurs bereitet AnwenderInnen darauf vor, mit der Programmausarbeitung und der Projektzykluslogik, sowie mit dem Konfliktbewusstsein und der Sensibilitätslogik eine Einheit zu bilden.

Zwischen dem Ausmaß der Bemühungen und Investitionen der einzelnen Personen, der beachtlichen Anzahl an Programmen, Aktivitäten und Organisationen in diesem Bereich und den Auswirkungen, die all das auf die Friedenskonsolidierung und nachhaltige Erholung von einer Kriegssituation sowie Stabilisierung hat, besteht eine Kluft. Dieses Programm wurde dafür konzipiert, diese Lücke zu schließen. Es ist praktisch ausgelegt und umsetzbar und wurde für politische EntscheidungsträgerInnen, SpendengeberInnen und AnwenderInnen ebenso konzipiert wie für jene, die sich den täglichen Herausforderungen der Friedensförderung, Entwicklung und Erholung in jenen Regionen stellen, die von Krieg und Gewalt betroffen sind.

Es schöpft aus der gesamten Breite operativer Erfahrungswerte, Gelernter Lektionen und praktischer Methoden und zeichnet sich durch seine spezielle Auslegung aus, die es Behörden und Organisationen ermöglicht, ganz tief in ihre Arbeitsprozesse und Abläufe einzudringen und davon ausgehend bessere Konzepte und Ansätze zu schaffen – mit wirklichen, greifbaren Auswirkungen also.

Einleitung

Dieses Teilcurriculum bietet einen einwöchigen Kurs über die operative Planung mit Fokus auf zwei der Schlüsselkonzepte der militärischen Planung: Schwerpunktanalyse und Operatives Design. Bei der Planung auf operativer Ebene handelt es sich um die militärische Planung großer Einsätze und Kampagnen. Die Planung militärischer Einsätze ist eine äußerst komplexe Aufgabe – besonders dann, wenn die Strategien auch Missionen zur Friedensförderung und Konfliktprävention beinhalten müssen. Krisenreaktionseinsätze dieser Art kennzeichnen sich durch die Komplexität des operativen Umfeldes. Dieses besteht aus vielen Schichten politischer, militärischer, wirtschaftlicher, sozialer, informationsbezogener und infrastruktureller Faktoren, welche alle in einer Wechselbeziehung zueinander stehen. Die Beziehungen zwischen Ursache und Wirkung liegen nur sehr selten klar auf der Hand. Dies verkompliziert die Möglichkeit, die Wurzel des Problems zu verstehen. Darüber hinaus können die gewünschten Umstände in derartigen Einsätzen meistens nur durch aufeinander abgestimmte zivile und militärische Aktionen erreicht werden.

Unabhängig vom Ausmaß und der Intensität der militärischen Operation zählen zu den Schlüsselkonzepten bei der Planung auf operativer Ebene jedenfalls: die Schwerpunktanalyse (CoG analysis) sowie das Operative Design. Beide Konzepte ergänzen einander und bieten den PlanerInnen die Möglichkeit, einem komplexen Problem Struktur zu verleihen. In der Folge können jene Aktionen identifiziert werden, die zu den gewünschten Umständen führen. Die Fähigkeit diese Konzepte anzuwenden gehört zu den Kernkompetenzen eines jeden Stabsoffiziers/einer jeden Stabsoffizierin.

Die Schwerpunktanalyse und das Operative Design sind zwei Konzepte, auf welchen die anderen Prozesse der Einsatzplanung und -ausführung in der westlichen Militärkultur aufbauen. Durch die Schwerpunktanalyse können die Schlüsselmerkmale der in die Krise oder den Konflikt involvierten HauptakteurInnen identifiziert werden. Das Operative Design dient dazu, über den gesamten Einsatz hinweg die geplante Rolle des Militärs zu kommunizieren, operative Pläne zu entwickeln und anzupassen, Aktionen aufeinander abzustimmen und den Fortschritt des Einsatzes zu bewerten. Das übergeordnete Ziel dieses Teilcurriculums besteht darin, die militärischen PlanerInnen dahingehend zu erziehen, Lösungen für die komplexen Probleme auf operativer Ebene zu finden, indem die Schwerpunktanalyse und das Konzept des Operativen Designs angewandt werden.

Einleitung

Laut dem OECD-Ausschuss für Entwicklungshilfe (DAC) versteht man unter Sicherheitssektorreform (SSR) eine Transformation des Sicherheitssektors, die sämtliche AkteurInnen und deren Rollen, Verantwortungen und Aktionen umfasst, damit diese zusammenarbeiten und das System so verwalten und ausführen, dass es konsistenter wird im Umgang mit demokratischen Normen und den soliden Grundlagen guter Regierungsführung. In der Folge kann dieses System zu einem gut funktionierenden Sicherheitsnetzwerk beitragen (OECD DAC). Die Vereinten Nationen sprechen von der Sicherheitssektorreform (SSR) als „Prozess der Bewertung, Überprüfung und Implementierung sowie Überwachung und Evaluierung durch nationale Behörden mit dem Ziel der Verstärkung effektiver und nachvollziehbarer Sicherheit für den Staat und seine Bevölkerung ohne Diskriminierung und unter vollumfänglicher Einhaltung der Menschenrechte sowie der Rechtsstaatlichkeit".

SSR wird immer stärker als eine der Schlüsselmethoden für internationale SpendengeberInnen erkannt, um zur Sicherheit und der Entwicklung in konfliktbetroffenen und fragilen Staaten beizutragen (OECD, 2007). Durch Staatenbildung, institutionelle Reform, Beratung, Überwachung, Mentoring und Training ist SSR nunmehr zu einem wichtigen Politikinstrument für internationale AkteurInnen im Bereich des Friedens und der Sicherheit geworden, z. B. für den UN-Sicherheitsrat (2014) und die EU (Gemeinsame Mitteilung, 2016) (siehe Box 1). Insbesondere die EU übernimmt durch den Einsatz von Missionen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik eine Reihe von SSR-Aufgaben, z. B. die Mission zur Polizeireform in der DR Kongo und Mali, sowie die EU-Ausbildungsmissionen in Somalia und Libyen.

Introduction

Zahlreiche Studien und offizielle EU-Dokumente haben den Prozess der Mediation, des Dialogs und der Verhandlung als sehr wichtig für den Friedensförderungsprozess in unterschiedlichen Stadien erkannt. Interventionen durch Dritte in Situationen menschlicher Konflikte haben bereits eine sehr lange Geschichte und eine breite Vielfalt an Ausprägungen und Funktionen. Eine gängige Reaktion zur Lösung von Konflikten zwischen unterschiedlichen Parteien besteht in der Verhandlung mit dem Ziel, eine beidseitig akzeptable Übereinkunft zu treffen. Mediation ist dafür gedacht, den Prozess der Verhandlung zu erleichtern. Der Bericht über die Implementierung der Europäischen Sicherheitsstrategie erwähnt darüber hinaus, dass „es im Zentrum unseres Ansatzes stehen muss, bereits früh vorzubeugen, dass Risiken oder Gefahren zu Konfliktquellen werden. Die Friedensförderung und nachhaltige Reduktion der Armut sind essentiell in diesem Zusammenhang. Jede dieser Situationen erfordert den schlüssigen Einsatz unserer Instrumente – inklusive politischer, diplomatischer, entwicklungsbezogener, humanitärer, krisenreaktionsbedingter, wirtschaftlicher und handelstechnischer Kooperation, sowie ziviles und militärisches Krisenmanagement. Darüber hinaus sollten wir auch unsere Kapazitäten für Dialog und Mediation ausbauen.“

Die EU hat den Bedarf an den Fähigkeiten „Mediation und Dialog“ anerkannt und das Dokument „Concept on Strengthening EU Mediation and Dialogue Capacities“ (Konzept zur Stärkung der Fähigkeiten von Mediation und Dialog in der EU) eingeführt. Aus diesem Dokument geht klar hervor, dass „die EU als globale Akteurin, die sich der Förderung des Friedens, der Demokratie, der Menschenrechte und der nachhaltigen Entwicklung verpflichtet hat, im Allgemeinen als glaubwürdige und ethisch vertrauenswürdige Akteurin in von Instabilität und Konflikt geprägten Situationen wahrgenommen wird. Daher ist sie gut positioniert um Mediations- und Dialogprozesse zu vermitteln, zu ermöglichen oder zu unterstützen.“ Mediation , Dialog und Verhandlung sind wichtige und angemessene Tools in der Friedensförderung und Konfliktprävention.

Einleitung

Der Schutz der Zivilbevölkerung wird definiert als „sämtliche Aktivitäten, die darauf abzielen, die vollumfängliche Einhaltung der Rechte der einzelnen nach Buchstaben und Geist der relevanten Rechtsgrundlagen – IHRL (internationales Menschenrechtsgesetz), IHL (humanitäres Völkerrecht) und das Flüchtlingsrecht – sicherzustellen.“ Dennoch ist die Auslegung dieses Mandats und seine Implementierung für die zahlreichen AkteurInnen, die in den Schutz der Zivilbevölkerung involviert sind, sehr unterschiedlich. Dies wiederum führt zu unkoordinierter, unvollständiger und eingeschränkter Performance – obwohl es Beratung für die Entwicklung umfassender Strategien für den Schutz der Zivilbevölkerung (PoC-Strategien) gibt. Die Hauptopfer bewaffneter Konflikte sind nach wie vor ZivilistInnen. Die Unfähigkeit der Friedensmissionen und der Programme im Bereich der Konfliktprävention und Friedensstiftung die Zivilbevölkerung zu schützen untergräbt deren Glaubhaftigkeit und Legitimität. Es besteht das klare Bedürfnis über die theoretischen Erkenntnisse der diversen Instrumente zum Schutz der Menschenrechte (humanitäres Völkerrecht, internationales Menschenrechtsgesetz, Flüchtlingsrecht) hinauszugehen um zu lernen, wann diese Verwendung finden müssen und wie sie zur Verbesserung des Schutzes der Zivilbevölkerung in der Praxis operationalisiert werden können. Der Schutz der Zivilbevölkerung erfordert darüber hinaus rechtzeitige, flexible und gemeinsame Aktionen von all den verschiedenen AkteurInnen, die in einem gegebenen Kontext präsent sind – von der Zivilbevölkerung selbst und lokalen RegierungsvertreterInnen bis hin zu humanitären NGOs und Friedensförderungstruppen. Sämtliche involvierten Personen müssen die Verantwortlichkeiten kennen, die sie selbst und andere tragen, sowie Grenzen und Kapazitäten festlegen, um den Schutz umsetzen zu können. Durch den umfassenden Ansatz ganz im Zeichen der Multi-StakeholderInnen ist dieses Training zum Schutz der Zivilbevölkerung in Friedensmissionen ein Meilenstein im Trainingsbereich der Konfliktprävention und Friedensstiftung. Es zielt darauf ab, die Zusammenarbeit zu verbessern, messbare Ziele in den Schutzaufgaben zu schaffen und lokale Eigenverantwortung sowie Kapazitäten für die jeweiligen Schutzaufgaben zu erhöhen.

Einleitung

Wie aus empirischen Untersuchungen hervorgeht, stehen die natürlichen Ressourcen in vielerlei Hinsicht in Beziehung mit (bewaffneten) Konflikten und Gewalt: sie können Konflikte auslösen, verschärfen oder hinauszögern. Die unten dargestellte Grafik zeigt, wie häufig natürliche Ressourcen mit Konflikten in Verbindung stehen. Bitte konsultieren Sie für die Forschungsergebnisse und Berichte das UNEP (2009) sowie die Berichte und Artikel der Projektbibliothek „Environmental Peacebuilding“ (2017a), und das Forschungsprojekt der Universität in Uppsala (DPCR, 2014).

Grafik: Natürliche Ressourcen & bewaffnete Konflikte

In den vergangenen beiden Jahrzehnten sind die Umwelt und die natürlichen Ressourcen ebenso in die Praxis für Friedensförderung und in die wissenschaftliche Debatte eingezogen. Der Begriff der Umwelt-Friedensförderung („environmental peacebuilding“) ist entstanden und wird immer häufiger dafür verwendet, die Prozesse rund um die natürlichen Ressourcen (sowie deren Management) und Konfliktprävention, Friedensförderung und Konflikttransformation zu beschreiben. Im Kreise der internationalen AkteurInnen gibt es jedoch keine Kohärenz im Verständnis oder der Implementierung von Umwelt-Friedensförderung. Der Begriff reicht von Themen rund um die gesetzliche Behandlung natürlicher Ressourcen, Umweltschutz, bis hin zum Klimawandel etc. Um Missverständnisse im Zusammenhang mit diesem Teilcurriculum zu vermeiden, definiert der unten stehende Text die relevanten Konzepte und bietet Beispiele bestehender Praxis.

Natürliche Ressourcen und bewaffnete Konflikte

Grafik: Einteilung natürlicher Ressourcen

Die Verbindung zwischen natürlichen Ressourcen (NR) und Konflikten ist zumindest zweifach ausgeführt. Einerseits stehen die Umwelt und die natürlichen Ressourcen zunehmend unter Druck: aufgrund demografischer Änderungen (Bevölkerungszuwachs), Urbanisierung, Migration sowie durch steigenden, rascheren und breiteren Ressourcenabbau und Verunreinigung – z. B. Wüstenbildung aufgrund des Klimawandels. Daraus entwickelt sich ein Potential sowohl für Konflikte als auch für Waffengewalt, z. B. über Landbesitz und Zugriff auf Wasser, woraus sich wiederum Probleme wie Nahrungsmittelunsicherheit herausbilden können. Eines der Beispiele sind die Konflikte (die mitunter auch gewalttätig werden) zwischen den Weidewirtschaft betreibenden Gemeinschaften am Horn von Afrika über die Knappheit der Wasserressourcen und des Weidelands (Beispiele in Mkutu, 2001 und Bevan, 2007). Darüber hinaus können die Proteste über die Verschmutzung aufgrund der Gewinnung natürlicher Ressourcen (z. B. Ölkatastrophen) und der daraus resultierende Unmut zu gewalttätigen Aktionen führen und zusätzlich mit gewaltvollen Reaktionen der staatlichen Sicherheitskräfte zusammentreffen. Auf der anderen Seite können die natürlichen Ressourcen selbst zu Konfliktressourcen werden und zur Verschärfung bzw. Fortführung bewaffneter Konflikte beitragen, die über diese Ressourcen hinaus viele andere ursprüngliche Gründe haben. In dieser Hinsicht tragen deren systematische Nutzung bzw. der Handel im Kontext bewaffneter Konflikte häufig zu ernsten und weit verbreiteten Menschenrechtsverletzungen bei oder sind sogar der Auslöser derselben. Der Anbau, die Produktion und der Handel von Rauschgift in Afghanistan sowie der Abbau und Handel von Diamanten in Sierra Leone sind Beispiele für Konfliktressourcen.

Natürliche Ressourcen in der/ für die Friedensförderung So eng die natürlichen Ressourcen auch in Verbindung mit bewaffneten Konflikten stehen: natürliche Ressourcen können ebenso zur Friedensförderung beitragen oder für die Friedensförderung eingesetzt werden. Ein zentraler Aspekt dafür ist das Management oder die gesetzliche Behandlung (potentieller) Konfliktressourcen in Nachkriegs- /Konfliktumfeldern – zum Beispiel wenn Friedensförderungsaktivitäten bereits umgesetzt werden. Das Management natürlicher Ressourcen (NRM) bezieht sich auf die Institutionen, Gesetze und Praktiken, die Themen wie Land, Wasser, Wälder, Mineralien, Kohlenwasserstoff etc. reglementieren. Gemäß der Vereinten Nationen (2012) kommt konfliktsensitives Management natürlicher Ressourcen dann vor „wenn die Möglichkeit Entscheidungen über lebensnotwendige Ressourcen zu treffen von verschiedenen StakeholderInnen ohne Anwendung von Gewalt genutzt werden kann“. (Vereinte Nationen, 2012). Der Begriff der Umwelt-Friedensförderung ist in die Debatte eingezogen zur Beschreibung eines Prozesses, der „das Management der natürlichen Ressourcen in die Aktivitäten der Friedensförderung integriert um Sicherheit sowie humanitäre und entwicklungsbezogene Ziele zu unterstützen“ (Environmental Peacebuilding, 2017b). Die Praxis der Umwelt-Friedensförderung möchte die Bedürfnisse „biodiverser Gemeinschaften auf der ganzen Welt, die damit kämpfen Konflikten über natürliche Ressourcen vorzubeugen oder diese zu mildern“ beantworten (Ajroud & Edmond, 2015). Das Beispiel Afghanistans zeigt zuallererst die Verbindung zwischen natürlichen Ressourcen und bewaffneten Konflikten/Gewalt. Es zeigt jedoch auch das Potential für (internationale) Friedensförderung im Bereich des Managements natürlicher Ressourcen. Ein Bericht des UN-Landesteams in Afghanistan weist darauf hin: „Natürliche Ressourcen sind der Ursprung zahlreicher Bruchlinien in Afghanistan und der gesamten Region, die Aufteilung des Wassers auf lokalem sowie grenzüberschreitendem Niveau, Streitigkeiten über Landbesitz, der regionale Drogenhandel sowie der illegale Schmuggel hochwertigen Holzes erzeugen bereits Spannungen und Konflikte. Die jüngsten Investitionen in die Gewinnung von Mineralien und Kohlenwasserstoff könnten neue Probleme hervorrufen, wenn sie nicht mit Bedacht verwaltet werden“ (Brown & Blankenship, 2013, Vorwort). Natürliche Ressourcen fungieren im Zusammenhang mit Konflikten als Quelle bzw. Treiber. In der Transformation von (gewalttätigen) Konflikten kommt ihnen also eine zentrale Rolle zu. Daher müssen die natürlichen Ressourcen und deren Verwaltung in den Friedensförderungsaktivitäten berücksichtigt werden. Es ist unerlässlich, dass die in Afghanistan involvierte internationale Friedensförderungsgemeinschaft Umweltaspekte in ihre Strategien und Aktionen integriert. Es handelt sich hier um ein gutes Beispiel dafür, wie die beiden Disziplinen der Friedensförderung und des Managements natürlicher Ressourcen zusammengeführt werden können. Die Friedensförderung durch Dritte in Kombination mit bzw. mit einem Fokus auf das Management natürlicher Ressourcen könnte in Afghanistan eine Vielzahl an Aktivitäten auf der gesamten Friedensförderungspalette abdecken: ein Beispiel setzen; konfliktsensitive Ansätze zu einer Grundanforderung für jene Entwicklungsprojekte werden lassen, die Auswirkungen auf natürliche Ressourcen haben und damit für die Rolle und den Stellenwert des Managements natürlicher Ressourcen (NRM) sowohl Bewusstsein als auch Verständnis fördern in den Bildungskapazitäten zur Friedensförderung, und zwar durch Training und Pädagogik für konfliktsensitives und partizipatives Management natürlicher Ressourcen – die Förderung technischer Kompetenzen eingeschlossen. Außerdem kann die öffentliche Teilnahme und Inklusivität im Zuge der Mediation und Verhandlung von Konflikten über natürliche Ressourcen auf regionaler und Gemeindeebene bestärkt werden, oder auch die Datenerfassung und Frühwarnung rund um Konflikte und Gewalt auf Grund natürlicher Ressourcen.

Einleitung

Wie aus empirischen Untersuchungen hervorgeht, stehen die natürlichen Ressourcen in vielerlei Hinsicht in Beziehung mit (bewaffneten) Konflikten und Gewalt: sie können Konflikte auslösen, verschärfen oder hinauszögern. Die Verbindung zwischen natürlichen Ressourcen (NR) und Konflikten ist zumindest zweifach ausgeführt. Einerseits stehen die Umwelt und die natürlichen Ressourcen zunehmend unter Druck: aufgrund demografischer Änderungen (Bevölkerungszuwachs), Urbanisierung, Migration sowie durch steigenden, rascheren und breiteren Ressourcenabbau und Verunreinigung – z. B. Wüstenbildung aufgrund des Klimawandels. Daraus entwickelt sich ein Potential sowohl für Konflikte als auch für Waffengewalt, z. B. über Landbesitz und Zugriff auf Wasser, auf Grund dessen wiederum Probleme wie Nahrungsmittelunsicherheit gefördert oder geschürt werden können. Eines der Beispiele sind die Konflikte (die mitunter auch gewalttätig werden) zwischen den Weidewirtschaft betreibenden Gemeinschaften am Horn von Afrika über die Knappheit der Wasserressourcen und des Weidelands (Beispiele in Mkutu, 2001 und Bevan, 2007). Darüber hinaus können die Proteste über die Verschmutzung aufgrund der Gewinnung natürlicher Ressourcen (z. B. Ölkatastrophen) und der daraus resultierende Unmut zu gewalttätigen Aktionen werden und zusätzlich mit gewaltvollen Reaktionen der staatlichen Sicherheitskräfte zusammentreffen (wie z. B. im Niger-Delta). Auf der anderen Seite können die natürlichen Ressourcen selbst zu Konfliktressourcen werden und zur Verschärfung bzw. Fortführung bewaffneter Konflikte beitragen, die über die Ressourcen hinaus viele andere ursprüngliche Gründe haben. In dieser Hinsicht tragen deren systematische Nutzung bzw. der Handel im Kontext bewaffneter Konflikte häufig zu ernsten und weit verbreiteten Menschenrechtsverletzungen bei oder sind sogar der Auslöser derselben. Der Anbau, die Produktion und der Handel von Rauschgift in Afghanistan sowie der Abbau und Handel von Diamanten in Sierra Leone sind Beispiele für Konfliktressourcen.

Grafik: Natürliche Ressourcen & bewaffnete Konflikte

Natürliche Ressourcen und bewaffnete Konflikte

Einteilung natürlicher Ressourcen:


Natürliche Ressourcen und Prävention bewaffneter Konflikte auf Gemeindeebene

Ziel der Prävention ist es, Fehltritte, Eskalationen, Ausdehnung, Verstärkung oder ein Wiederaufflammen/einen Rückfall von Gewalt zu vermeiden. Wir unterscheiden zwischen struktureller, langfristiger Prävention – zum Beispiel durch die Errichtung lokaler Räte für den Dialog innerhalb einer Gemeinschaft oder zwischen den Gemeinschaften – und direkter oder operativer Prävention um eine Eskalation, eine Ausdehnung oder Verstärkung von Gewalt zu stoppen – zum Beispiel durch Mediation und Verhandlung. Präventionslösungen auf Gemeindeebene sind besonders relevant, denn die Gemeinden sind jene, die direkt betroffen und involviert sind, wenn es um natürliche Ressourcen und die damit verbundenen Einbußen geht, z. B. Erschöpfung des Vorkommens oder Verunreinigung. Es liegt daher im Herzen einer jeden wirkungsvollen Präventionsaktivität, eine Auseinandersetzung mit Gemeinden und von Gemeinden zu erlangen.

Einleitung

In den vergangenen beiden Jahrzehnten ist der berufliche Bereich der Friedensförderung und Prävention sowohl in Hinblick auf das Arbeitsvolumen als auch auf die Komplexität der Aufgabe erheblich gewachsen. Die Fachkräfte werden mitunter täglich zu ZeugInnen von Gewalt und arbeiten mit Menschen, die schreckliche Grausamkeiten erlebt haben. Vielleicht stehen sie den Stress der Verantwortung durch, die es mit sich bringt zu entscheiden, wie interveniert werden soll um anderen zu helfen, und erleiden letztlich negative Auswirkungen. Die persönlichen und zwischenmenschlichen Folgen der Arbeit mit Konflikten sind in der Theorie bereits vor einiger Zeit belegt worden. TraumaexpertInnen bestätigen, dass Fachkräfte aufgrund des Miterlebens von Grausamkeiten eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) erleiden können, oder aber eine Sekundärtraumatisierung aufgrund ihrer Arbeit mit Menschen, die Grausamkeiten miterleben mussten. Selbst wenn sie jedoch nicht traumatisiert werden, so kann es bei den Fachkräften zu Erschöpfung, Hilflosigkeit und manchmal auch Depressionen kommen. Der Ansatz für den Umgang mit diesen Phänomenen war leider lange Zeit rein reaktiv. In der Regel wird psychologische Betreuung jenen Parteien angeboten, bei denen sich während oder nach Friedensmissionen Probleme bemerkbar machen. Ein solcher Ansatz birgt jedoch das Risiko jene, die diese Interventionen erhalten, als schwächer oder zu sensibel für diese Arbeit abzustempeln und auszugrenzen. Dadurch wird die Verantwortung für das Problem den einzelnen Personen zugewiesen anstatt den Umständen.

Ein systematischer und proaktiver Ansatz hingegen stattet die Fachkräfte mit Fertigkeiten im Bereich der Selbst-Pflege, Selbst-Erkenntnis und dem Aufbau von Widerstandsfähigkeit aus. Darüber hinaus trägt er zur Bildung der Fachkräfte bei und kann zwischen den einzelnen Fachkräften Wege fördern einander zu unterstützen. Vor allem aber reduziert er Schamgefühl und Stigmatisierung im Zusammenhang mit dieser Problematik, da er anerkennt, dass diese mögliche Risiken einer solchen Tätigkeit darstellen. Bis vor kurzem haben dies noch sehr wenige Institute und Organisationen berücksichtigt und gar Training, Beratung oder Genesungsleistungen als Teil des typischen Kapazitätsaufbauprogramms einer solchen Mission betrachtet. Die Organisationen sollten den potentiellen Risiken dieser Tätigkeiten viel sensibler gegenüberstehen, so wie auch der Art, wie sie sich auf die Gesundheit der Fachkräfte auswirken können, auf zwischenmenschliche Beziehungen innerhalb eines Teams oder auch auf die berufliche Leistungsfähigkeit. Sie sollten ihre eigene Verantwortung hinsichtlich der Gesundheitsförderung und des Wohlbefindens ihres Personals anerkennen und als Priorität behandeln. In diesem Sinne empfehlen wir die Integration von Trainingsmodulen für Selbst-Pflege vor, während und nach der Einsätze. Es sind bereits viele Agenturen erkennbar, die damit beginnen dieses Thema zu priorisieren und solche Modelle zu entwickeln. Wir sehen jedoch noch Raum für weitere Entwicklungen und systematische Implementierung.

Einleitung

Frauen und Männer erleben bewaffnete Konflikte unterschiedlich. Männer finden sich in der Regel in Machtpositionen wieder – entweder als Angehörige der Streitkräfte, Politiker oder Verhandler (Friedensförderungs-Initiative, 2008). Frauen hingegen tragen tendenziell eher die Verantwortung für Betreuung, Pflege und Haushalt. Gerade während und nach einem Krieg stehen sie dem Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt gegenüber. Die Vergewaltigung wurde beispielsweise als Kriegstaktik in zahlreichen Situationen eingesetzt, u. a. in Bosnien und Ruanda. Vertriebene Frauen können auch in Camps Opfer sexueller Übergriffe werden. Diese Gewalt oder die drohende Gewalt schränkt nicht nur ihre Bewegungsfreiheit ein. Es besteht darüber hinaus ein Risiko für ihre psychische Gesundheit, und auch eine mögliche Einschränkung ihrer Fähigkeiten für andere zu sorgen geht damit einher.

In Postkonfliktgesellschaften erhöhen sich aufgrund des hohen Militarisierungsgrades während politischer Übergangszeiten, der fortdauernden Dominanz der Streitkräfte sowie der vorherrschenden politischen Instabilität die Risiken von häuslicher Gewalt, Vergewaltigung und Belästigung für Frauen weiterhin. Auch die Möglichkeit auf Unterstützung zuzugreifen wird den Frauen durch die zuvor genannten Faktoren erschwert.

Sicherheitskräfte – die Friedenstruppen mit eingeschlossen – sowie die Polizei und das Militär, die sich in einer Gesellschaft für die Sicherstellung von Recht und Ordnung einsetzen, können im Laufe eines Krieges, in Flüchtlingslagern oder während der Übergangszeit nach Konflikten auf Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt treffen. Sicherheitskräfte müssen möglicherweise eine bedrohte Frau in Schutz nehmen oder sie an einen sicheren Zufluchtsort bringen. Sie werden eventuell versuchen von den Frauen Aussagen über ihre Erfahrungen mit Gewalt zu erhalten oder direkt nach einem Vorfall Beweise an einer Frau sicherstellen – zu einem Zeitpunkt an dem sie verletzlich und traumatisiert ist.

Sensibilität ist eine wichtige Unterkategorie für dieses Training. Sensibilität umfasst die Fähigkeit Verständnis aufzubringen und Bewusstsein für die speziellen Umstände jener Menschengruppen zu entwickeln, die häufig ausgegrenzt werden – wie z. B. Frauen oder Menschen aus nicht-westlichen Kulturen. Sie beinhaltet auch die Erkenntnis, dass ein Universalansatz für den Bereich der Konfliktprävention und Friedensstiftung den Unterschieden zwischen den jeweiligen Kulturen und Konfliktgegebenheiten nicht gerecht wird. Vielmehr werden StakeholderInnen dazu herausgefordert, den speziellen Bedürfnissen der bedienten Bevölkerung Beachtung zu schenken. Damit können ebenfalls Trauma- oder Lernbedürfnisse einhergehen.

Dieses Training zielt darauf ab, mittels Erkennung der speziellen Dynamik geschlechtsspezifischer Gewalt die Gender-Sensibilität zu stärken. Darüber hinaus fördert dieses Training auch die Trauma-Sensibilität, indem die Dynamik der Traumata und die Bedürfnisse der traumatisierten Opfer hervorgehoben werden. Doch auch im Bereich der kulturellen und konfliktbezogenen Sensibilität setzt dieses Trainings Akzente: mittels der Erkenntnis, dass die Dynamik von geschlechtsspezifischer Gewalt je nach Kulturkreis und Konfliktsituation unterschiedlich sein kann, und dass die Reaktionen und Antworten maßgeschneidert auf die Bedürfnisse des speziellen Einsatzgebietes abgestimmt werden müssen.

Dieses Curriculum kann auch auf andere StakeholderInnen angepasst werden, so zum Beispiel für MitarbeiterInnen von NGOs, internationalen Organisationen und Friedensmissionen. Sie alle würden von der Entwicklung von Einstellungen (Attitudes), Wissen (Knowledge) und Fertigkeiten (Skills) in der Arbeit mit Opfern profitieren. Das Training lässt sich auch so gestalten, dass es für ein spezifisches Publikum anwendbar ist: indem Fallstudien und Rollenspiel-Szenarien eingebaut werden, die eigens auf solche Umstände ausgerichtet werden, auf die eben die jeweiligen StakeholderInnen treffen könnten.

Die Beispiele innerhalb des Trainings sollten maßgeschneidert auf die einzelnen Einsatzstaaten sowie die spezifische Dynamik des Trainings ausgerichtet sein.